Die Stunde, die über die nächste Woche entscheidet.
Wenn die Zeit knapp wird, ist die Retro oft das erste Meeting, das gestrichen wird. Schließlich wurde gerade geliefert, die nächste Planung wartet bereits und es gibt genug operative Themen, die dringender erscheinen.
Genau deshalb ist die Retro so wichtig.
Wer dauerhaft nur arbeitet, ohne regelmäßig innezuhalten und zu reflektieren, verbessert seine Arbeitsweise nicht. Probleme wiederholen sich. Missverständnisse bleiben bestehen. Kleine Reibungsverluste werden zu Gewohnheiten. Das Team arbeitet hart – aber nicht unbedingt immer besser.
Die Retro schafft bewusst einen Gegenpol. Sie ist die Gelegenheit, nicht nur im Tagesgeschäft, sondern auch an der Zusammenarbeit zu arbeiten.
Dabei geht es nicht darum, Schuldige zu suchen oder Probleme zu verwalten. Es geht darum, gemeinsam zu verstehen, was gut funktioniert hat, was verbessert werden kann und welche Erkenntnisse aus der vergangenen Woche in die nächste übernommen werden sollen.
Viele Teams empfinden Retrospektiven jedoch nach einiger Zeit als langweilig oder wenig wertstiftend. Oft liegt das nicht am Format selbst, sondern an der Durchführung. Wenn jede Retro gleich aussieht, immer dieselben Fragen gestellt werden und keine sichtbaren Verbesserungen entstehen, verliert das Team verständlicherweise die Motivation.
Deshalb kommt dem AGILECOACH eine besondere Rolle zu. Gute Vorbereitung, wechselnde Methoden und neue Perspektiven sorgen dafür, dass die Retro lebendig bleibt und echte Erkenntnisse hervorbringt. Die Aufgabe des AGILECOACHes ist nicht, ein Meeting durchzuführen, sondern Reflexion zu ermöglichen.
Ein weiterer Vorteil wird häufig übersehen:
Nimmt der Fachbereichsleiter nicht aktiv an der Retro teil, entsteht zwischen Demo und Planung ein wertvolles Zeitfenster. Während das Team gemeinsam auf die vergangene Woche blickt, kann der Fachbereichsleiter die Erkenntnisse aus der gerade durchgeführten Demo verarbeiten und seine Vorbereitung für die anschließende Planung anpassen.
Vielleicht haben sich Prioritäten verändert. Vielleicht wurde ein Thema schneller abgeschlossen als erwartet. Vielleicht sind neue Erkenntnisse entstanden, die Auswirkungen auf die kommende Woche haben. Anstatt diese Änderungen spontan in der Planung zu diskutieren, kann der Fachbereichsleiter die Zeit nutzen, um seine Priorisierung zu schärfen und die Planung optimal vorzubereiten.
So profitieren beide Seiten: Das Team gewinnt wertvolle Zeit für Reflexion und kontinuierliche Verbesserung. Der Fachbereichsleiter gewinnt Zeit für die Nachbereitung der Demo und die Vorbereitung der nächsten Woche.
Die beste Retro erkennt man nicht daran, wie viele Probleme besprochen wurden. Man erkennt sie daran, dass Team und Fachbereichsleiter anschließend besser vorbereitet in die Planung gehen als zuvor.
Denn jede Woche bietet die Chance, etwas besser zu werden als in der Woche davor.
Die Retro sorgt dafür, dass diese Chance nicht ungenutzt bleibt.
Ziel und Vorbereitung.
Ziel
Die Retrospektive dient dazu, die Zusammenarbeit, Prozesse und Arbeitsweisen des Teams regelmäßig zu reflektieren und gezielt zu verbessern.
Ziel ist es:
Am Ende der Retrospektive besteht Klarheit darüber:
Vorbereitung
Vor der Retrospektive sollten:
Wichtig:
Die Vorbereitung dient nicht dem Sammeln von Beschwerden, sondern der Identifikation von Verbesserungspotenzialen.
Ablauf.
1. Rückblick
Gemeinsamer Blick auf die vergangene Woche:
2. Herausforderungen betrachten
Analyse von:
3. Ursachen verstehen
Gemeinsame Reflexion:
Ziel ist das Verstehen der Ursache, nicht die Suche nach Schuldigen.
4. Verbesserungen ableiten
Sammlung möglicher Maßnahmen:
5. Maßnahmen committen
Auswahl von maximal ein bis drei konkreten Verbesserungen.
Für jede Maßnahme werden festgelegt:
6. Abschluss
Kurze Reflexion:
Teilnehmer und deren Haltung.
Pflichtteilnehmer
Optionale Teilnehmer
Teammitglieder
Erscheinen mit der Haltung:
Leitsatz
„Wir sprechen Probleme an, um gemeinsam besser zu werden.“
AGILECOACH
Erscheint mit der Haltung:
Leitsatz
„Ich unterstütze das Team dabei, aus Erfahrungen wirksame Verbesserungen abzuleiten.“
Fachbereichsleiter
Erscheint (bei Bedarf) mit der Haltung:
Leitsatz
„Ich bin Teil des Systems und damit auch Teil seiner Verbesserung.“
FAQ´s
Antwort
Ja.
Im Tagesgeschäft bleibt oft wenig Zeit, bewusst über die Zusammenarbeit, Prozesse und Arbeitsweisen nachzudenken.
Ohne einen festen Termin werden viele kleine Probleme zwar wahrgenommen, aber selten nachhaltig gelöst.
Die Retro schafft einen geschützten Raum, um regelmäßig innezuhalten und bewusst besser zu werden.
Wer sich keine Zeit für Verbesserung nimmt, wird irgendwann mehr Zeit für Probleme aufwenden müssen.
Antwort
Nein.
Die Retro dient nicht dazu, Frust abzuladen oder Schuldige zu suchen.
Ihr Ziel ist es, gemeinsam zu verstehen:
Der Fokus liegt auf Lösungen und Weiterentwicklung.
In der Retro suchen wir nicht nach Schuldigen, sondern nach Verbesserungsmöglichkeiten.
Antwort
Weil der Fachbereichsleiter Teil des Systems ist.
Viele Hindernisse entstehen nicht nur im Team, sondern auch durch Prioritäten, Entscheidungen, Rahmenbedingungen oder Kommunikationswege.
Die Retro bietet die Möglichkeit, diese Themen offen anzusprechen und gemeinsam Verbesserungen zu entwickeln.
Gleichzeitig zeigt die Teilnahme:
Verbesserung ist nicht nur Aufgabe des Teams, sondern Verantwortung aller Beteiligten.
Antwort
Gerade erfolgreiche Wochen bieten wertvolle Lernmöglichkeiten.
Die wichtigste Frage lautet nicht nur:
„Was hat nicht funktioniert?“
sondern auch:
„Warum hat etwas besonders gut funktioniert?“
Wer versteht, welche Faktoren zum Erfolg beigetragen haben, kann diese bewusst wiederholen und stärken.
Die Retro hilft deshalb dabei, sowohl Schwächen als auch Stärken sichtbar zu machen.
Antwort
Die Retro endet nicht mit einer Diskussion, sondern mit konkreten Verbesserungen.
Idealerweise werden ein bis drei Maßnahmen vereinbart, die bis zur nächsten Retro ausprobiert oder umgesetzt werden.
Zu Beginn der nächsten Retro wird geprüft:
Dadurch entsteht ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess statt einer Sammlung guter Vorsätze.
Eine Retro ist erst dann erfolgreich, wenn aus Erkenntnissen konkrete Veränderungen entstehen.
Die Retro ist das Meeting, in dem wir nicht an unseren Aufgaben arbeiten, sondern an der Art, wie wir gemeinsam arbeiten.
Denn langfristig entscheidet nicht nur das Ergebnis über den Erfolg eines Teams, sondern auch die Fähigkeit, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.